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Unter der Rubrik "MODERNES LEBEN" erschien folgender redaktionelle Beitrag in der Heilbronner Stimme.

Modern und bodenständig in den Museumsstuben

Neckarsulm - Gut speisen an einem Ort, wo das Ja-Sagen besonders leicht fällt.

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Gut gelaunter Koch: Uwe Feuchtenbeiner mit seinen Töchtern auf dem Balkon des aus der Deutschordenszeit stammenden Gebäudes.

Neckarsulm hat viele edle Ecken.

Historische und neu erbaute. Geschichte und Moderne findet der Genießer-Freund in den Museumsstuben vereint. Das 2002 von der Stadt renovierte Haus aus der Deutschordenszeit, das unter Denkmalschutz steht, bietet nicht nur Gaumenfreuden, sondern auch etwas für die Optik. Gemütliche Eleganz, die nicht aufgesetzt wirkt. Das sieht man an den schlicht, pfiffig und dennoch elegant eingedeckten Tischen. Und man spürt es in den Räumlichkeiten, die vom urigen Gewölbekeller über den Wintergarten bis zum Gastraum mit seinen terrakottafarbenen Wänden und der cremefarbenen Bestuhlung für jeden Geschmack ein passendes Plätzchen bieten.

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Stilvoll: Das rustikale Ambiente im urigen Gewölbekeller

Eigene Kapelle

Uwe Feuchtenbeiner ist nicht zu bremsen. In seinem Tatendrang oder dann, wenn er über sein Lokal schwärmt. Dazu hat er allen Grund, denn die Museumsstuben gelten nicht nur in Neckarsulm, sondern weit darüber hinaus als eine erstklassige Adresse. Sowohl für Genießerfreunde, als auch für Heiratswillige: In der dem Haus angeschlossenen ehemaligen Kapelle aus dem Jahr 1851 kann man standesamtlich heiraten und gleich munter weiterfeiern. Ein' Service, den viele Heiratswillige gerne nutzen. „Die Museumsstuben sind ein idealer Ort nicht nur für Geschäftsleute oder private Gäste, sondern auch für die, die einen abwechslungsreichen Mittagstisch suchen", sagt Uwe Feuchtenbeiner, der seit 30 Jahren als Koch arbeitet.

Angefangen hatte er als Küchen-Azubi im Heilbronner Jägerhaus, es folgten Stationen in der Schweiz, im Bundeswehroffizierscasino während seiner Wehrzeit, anschließend ging er nach Bad Mergentheim und dann zur Linde nach Neckarsulm. Zuletzt war Feuchtenbeiner in der Neckarsulmer Wilhelmshöhe selbstständig.

Gesundem und qualitativ anspruchsvollem Essen hat sich der 47-Jährige seit jeher verschrieben. So ist er einer der Förderer der Slow-Food-Aktion, lokale Produkte bezieht er von Brauers Brotzeit aus Distelhausen. Im Taubertal gibt es einen ökologischen Anbau sowie eine eigene Rinderzucht „Es macht einfach Spaß, mit diesen Produkten zu kochen", sagt Feuchtenbeiner.

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Auf beste Qualität legt der Küchenchef besonderen Wert.

Nicht nur das taubertaler Rind erhält er von dort, auch Rehe, Hirsche und Wildschweine. „Die Wildschweinbratwürstle sind beispielsweise ein Renner", sagt der Küchenchef. Für ihn gilt es, nicht nur die Gourmet-Ansprüche zu befriedigen, sondern auch die regionale Seite abzudecken. „Nur regional alleine reicht aber nicht, die Qualität muss stimmen", sagt er. So bezieht der Koch beispielsweise kiloweise frische Pasta direkt aus Italien - ein Eis-Konditor aus Neckarsulm verschaffte ihm den Kontakt zu diesem Lieferanten. Das Konzept geht auf. Die Museumsstuben steigern von Jahr zu Jahr den Umsatz. „Wir bieten eine schwäbische wie auch eine international gehobene Küche für jede Preisklasse", sagt Feuchtenbeiner.

Schwäbisch lecker

Auf der alle vier bis fünf Wochen wechselnden Karte gibt es dabei unter anderem die Klassiker wie den Museumsteller mit Rind- und Schweinefilet mit Maultäschle, Pilzrahmsoße, Spätzle, Bubenspitzle und Salatteller - alles hausgemacht und für erschwingliche 15,80 Euro. Leckeres aus Schwaben sind der Zwiebelrostbraten mit Bratkartoffeln und Salatteller für 15,50 Euro oder das Schweinefilet auf Kässpätzle mit Röstzwiebeln und Salat für 14 Euro. Aber es gibt natürlich auch besondere Spezialitäten. Zum Beispiel als kalte Vorspeise eine Roulade von geräuchertem Superior Lachs und Heilbutt im Bärlauchflädle mit Stangenspargel, Sahnemeerrettich und Blattsalaten. Oder bei den warmen Vorspeisen einen Strudel vom Tauberta1er Rehrücken mit Morcheln und Spinat gefüllt an Bockbieressig-Schalottensoße mit Apfelrotkraut. Deftig köstlich ist als Hauptspeise eine geschmorte Kalbsnuss und Rinderrolle von Bauers Brotzeit aus Distelhausen mit Pilzrahm- und Burgundersoße, Spätzle, Knödel und Salat. Man merkt, dass Uwe Feuchtenbeiner gerne mal experimentiert und stets Neues ausprobiert Dabei schielt er nicht auf Bewertungen in Gourmetführern. ,,Das Kochen um Punkte habe ich in meinen früheren Stationen erlebt. Hier geht es mir in erster Linie darum, dass es dem Gast schmeckt", sagt er. Und das tut es den Genießer-Freunden der Region ganz offensichtlich. „Gute Materialien sind das A und 0, deshalb haben wir eine sehr treue Stammkundschaft. Dabei können wir durchaus nach oben hin kochen und nicht nur Sauerbraten machen", sagt Feuchtenbeiner. Dazu kommen spontane Gäste, die beispielsweise dem gegenüber liegenden Zweiradmuseum einen Besuch abstatten. Diese genießen dann zu den Speisen ausnahmslos Weine aus der Region. Ob aus Schwaigern oder von der Schlosskellerei Affaltrach. Und nicht zu vergessen die Tropfen aus Feuchtenbeiners eigenem Wengert in Leingarten. Ob modern oder traditionell - die Museumsstuben haben eben für jeden Geschmack etwas zu bieten.